• Was ist das jetzt gewesen...

    Was soll dieser Blog, dieses "Tagebuch"?

    Es ist die Chronik (m)einer persönlichen Odysse. Meine ureigene Peinlichkeit eines Teils meines Lebens. Die Pein-lichkeit einer Reise die jetzt drei Jahre gedauert hat. Hier steht - anektotisch und in stark von momentanen Gefühlen geprägten Worten - wie es einem ergehen kann, der auf der Suche ist nach einem befriedigenden Erleben von sexuellem Begehren.

    Ich habe vor drei Jahren gedacht, ich könne mir das, was mir in einer Partnerschaft fehlt bei einer Liebesdienerin dazukaufen. Ich tat, was scheinbar einfach und unkompliziert ist und ging ins Puff. Ich bezahlte junge, attraktive Frauen für körperliches Vergnügen, das sie mir bereiteten. Ein Weg den abertausende Männer mit sexuellen Defiziten (aus welchen Gründen auch immer) gehen. Ich hatte dabei aber immer auch ein gewisses Mass an Skrupeln, ein Unwohlsein, ein Gefühl das mir sagte, dass ich doch nicht das finden werde was ich suche, woran mir mangelt.

    Es ist unweigerlich so gekommen, dass ich nichts anderes gefunden habe, als mich selbst. Meinen Mangel. Die klare Erkenntnis was mir eigentlich fehlt. Die Reise, war deswegen nicht falsch oder vergeblich. Ich bin einfach einen sehr komplizierten Weg geganden. Ich bin aber auch reich beschenkt worden und konnte Erkenntnisse über mich und meine Sexualität erlangen, die sehr tief gehen. Jetzt verstehe ich endlich, dass für mich Liebe und Sex untrennbar verbunden sind wenn sie als neues Ganzes erfüllend sein sollen. Jedes für sich ist nur dazu verdammt ein unvollkommener Teil dessen zu sein, was man in einer erotischen Paarbeziehung leben möchte. Es ist diese erfüllende Einheit von Sex und Liebe, die ich suchte, nichts anderes.

    Ich weiss am Ende dieser Reise auch viel über Prostitution. Ich habe verstanden warum es sie gibt und welche Mechanismen sie antreibt. Sie ist nichts anderes als das Schattenbild, die "dunkle Seite" unserer gesellschaftlich und moralisch genormten Vorstellungen von der idealen lebenslangen Liebesbeziehung nach der wir uns alle sehnen. Es ist der Preis den wir dafür zahlen, dass wir diese animalische, chaotische Lebenskraft Sexualität zähmen wollen und dafür dass sich die Geschlechter nach wie vor in einem Kampf um Materielle Sicherheit und Macht über die Sexualität des Anderen befinden.

    Wer mag soll hier lesen. Vielleicht helfen meine Sätze, dem einen oder anderen Mann auf Irrwegen im Rotlicht auch Licht in das Dunkel seiner eigenen Lust zu bringen.

  • Achtzehn- Sledgehammer

    Machmal fällt einem eine Frucht vom Baum der (Selbst)Erkentniss einfach so vor die Füsse. Das ist ein ganz eigentümliches Gemisch aus klarem Gedankengang und Gefühlen. Auf einmal ist man Befreit, ganz so wie dieses "Plopp", wenn der Chiropraktor mit einer schnellen Bewegung einen schmerzhaft verhakten Wirbel befreit. Nur sind es in diesem Falle die verhakten Wirbel des Unbewussten...

    Ich bin nochmal zu J. vor ein paar Tagen. Ich hatte mir zunächst einen Monat Entsagung auferlegt und mir gesagt, dann entscheide wie ich das handhaben will. Nach fast 3 Wochen war ich soweit. Diese Zeit hatte gereicht einigermassen aus dem grössten Gefühlsgewusel zu kommen und ich war ganz in einer Stimmung von Entschlossenheit und Wille zur Klarheit als ich zu ihr ging. Natürlich erlaubte ich mir damit auch noch eine letztes Mal diese wunderbare tiefe sinnliche körperliche Nähe mit ihr. Ich wollte bewusst noch ein letzes Mal mit ihr ficken.

    Das hat die sexuelle Begegnug für mich sehr stark werden lassen. Ich war dabei ganz bei mir, bei meinem Willen sie "zu haben", sie zu fühlen und zu nehmen. Natürlich gab es da auch wieder die Blockade, die Wand vor dem Orgasmus, diese plötzliche Taubheit, das "Nicht-einfach-nehmen-können". Ich musste es mit einer Fantasie überwinden. Es half seltsamerweise die Vorstellung, dass ich dabei sei Analverkehr mit ihr zu haben. (Bisher dachte ich, dass mich das nicht anmacht...). Ich war ganz im Nehmen, Wollen, Hämmern, Einnehmen, Beherrschen aufegangen als ich schliesslich in vielen langen Wellen kam. Es fiel sogar zusammen mit ihrem in Luststöhnen gehüllten "Orgasmus". Ja, es war wirklich ein aussergewöhlicher Fick.

    Dann habe ich das getan, was ich tun wollte: Ich habe ihr die "Schlüsselfrage" gestellt. Habe versucht "das Setting aufzubrechen". Ich habe sie gebeten sich in irgend einer Form mit mir "Privat" zu treffen, auf einen Kaffee, einen Spaziergang etc. (Sogar von Brieffreundschaft sprach ich). Ich wollte wissen, ob sie mich wirklich echt mag oder nur so tut. Natürlich kam es so wie sie es schon früher vorweggenommen hatte. Sie hat nicht gesagt, dass sie nicht will, sondern dass sie einfach nicht kann, dass sie es tun würde, wenn sie die Freiheit dazu hätte. Mit den bekannten Begründungen, die ich ihr eigentlich nicht so ganz glaube. Dabei geschah etwas seltsames mit mir. Obwohl sie da ihre löchrigen Erklärungen vor mir ausbreitete und obwohl ich zuvor ganz klar, ruhig und entschlossen war, bekam ich plötzlich immer mehr eine "Beisshemmung". Schon während sie ihre mir schon bekannten Argumente ausführte, musste ich immer mehr Energie darauf aufwenden bei der Sache zu bleiben, zielstrebig zu bleiben meine Forderung: "Lass endlich deine Maske fallen" durchzusetzen. Unklare Gefühle in mir musste ich kontrollieren, das erforderte viel Energie. Die Entschlossenheit hat mich immer mehr verlassen. Ich konnte mich noch in einer Art "Patt" zurückziehen, ihr sagen, dass sie es nicht will, und dass sie damit definiert, dass da auch nichts ist zwischen uns; gar nichts.

    Sie hat mir dann sogar noch zum Abschied die Illusion "Du bist/warst ein ganz besonderer Freier" angedreht.
    Auf meinen Satz: "So werde ich nichts anderes Sein als einer von tausenden von Schwänzen in Deinem Leben."
    Har sie mir geantwortet: "Du bist für mich ein ganz besonderer Kunde und das wirst Du immer sein."
    Erst Zuhause ist mir die richtige Antwort darauf eingefallen, dort bei ihr war ich noch so blockiert, dass jegliche Schlagfertigkeit und Übersicht, die ich sonst habe weg war. ("Ja, ein besonders lukrativer Schwanz in deinem Hurenleben bin ich gewesen", hätte ich sagen wollen um sie herauszufordern, weil sie das wahrscheinlich insgeheim auch so gemeint hat...)

    Danach kamen trotz dem von mir vollzogenen Abschluss der "Illusion einer Affäre" dann die Höllenqualen. Dieser gesamte unklare Gefühlswust kam hoch. Tagelang war ich wieder getrieben, schlaflos, gefangen in einem Inneren Dauermonolog. Warum? Warum? Warum? Warum? Meine persönliche innere Folter. Ich litt.

  • Qualen

    Zwischen der unteren Bettkante und dieser unsäglichen Kofferkonsole habe ich genau mit meinen gestreckten Beinen platz, den Laptop auf dem Schoss. Ich habe eines der Zimmer im obersten Stock, das Privileg eines Langzeitgastes. Ich kenne auch den Hotelier. Geschäftlich und von meinem Aufenthalt vor einem Jahr. Er fragt mich jedes Mal wenn er mich sieht, wie es mir gehe. "Beschissen" würde ich gerne sagen, aber stattdessen lobe ich sein Hotel.

    Nachts kann man durch die groben braunen Gardinen die Lichter der vorbeifahrenden Autos zählen, wenn man im Bett liegt. Schäfchenzählen mit offenen Augen.

    Das ist das Schlimmste: die Nächte, die Sehnsucht nach J.

    Ich könnte mich aufmachen und in der Hotellobby nach einer Frau Ausschau halten. Nach einem Gegenmittel sozusagen. Un Remède. Jetzt wo ich offiziell zu keiner ehelichen Treue mehr verpflichtet bin, könnte ich doch jagen gehen... Mir einen One Night Stand erlauben, eine Affäre... Oder mir auch ohne schlechtes Gewissen ein Mädchen aufs Zimmer bestellen, eines für eine ganze Nacht.

    Nichts von alledem. J. ist in meinem Kopf, in meinem Herzen, überall! Ich kann nicht!

    Ich kämpfe mit mir. Ich will nicht wieder zu ihr gehen. Aber in diesen nächtlichen Stunden ist der Wunsch, ist dieser "nur-noch-ein-Mal-Gedanke" stark.

    Und dann die Scham: Dass ich das getan habe. Dass ich mich in eine Hure so verguckt habe und jetzt auch noch leide.

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